Afrika > Seychellen > 11. Oktober 2018

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Die Seychellen sind wahrhaftig besonders, auch wenn wir bisher noch nicht viel davon gesehen haben. Denn die beiden Flüge dorthin haben uns erschlagen. Aber erst mal von Anfang an…
 

Gepäck für über drei Wochen in einen Backpacker Rucksack zu bekommen war mal wieder eine wahre Kunst. Und obwohl es auf den ersten Blick jedes Mal schier nicht umsetzbar erscheint, klappt es am Ende doch immer irgendwie. Ich brauche ja keine dicke Kleidung.
Vor allem die Schnorchelausrüstung hatte mir Sorgen bereitet. Mein super Osprey Rucksack hat hinter den Schultergurten aber eine Einschubtasche, die sich ideal als Extra-Stauraum eignet. Dort hat meine Schnorchelausrüstung so perfekt reingepasst, als wäre sie für den Rucksack konzipiert worden. Gutes Equipment ist beim Reisen so wichtig.

Osprey Sojourn (80 Liter)

Der Flug von Frankfurt nach London war mit einer Stunde und 10 Minuten sehr viel kürzer als angegeben. Bei British Airways kann man übrigens 24 Stunden vorher kostenlos seinen Wunschsitzplatz auswählen. Für die Notausgänge zahlt man natürlich etwas, aber die regulären sind frei. Als unsere Bordkarten am Londoner Flughafen für den Weiterflug auf die Seychellen unerwartet von dem Automaten abgelehnt wurden und wir zu einem Extra-Schalter mussten, ist uns kurz das Herz in die Hose gerutscht. In einigen Ländern ist es Voraussetzung, dass der Reisepass noch mindestens sechs Monate gültig ist. Nicht aber bei diesem Ziel, war ich mir bis zu diesem Augenblick sicher.

Während die Dame an dem Schalter mit ihren Fingern die Monate bis zum Ablaufdatum meines Reisepasses abgezählt hat, sind in mir Zweifel aufgekommen. Hatte ich etwas übersehen?
Dabei hatte ich mich doch so haarklein auf die Reise vorbereitet. Diese zwei Minuten, in denen sie das System gecheckt hat, sind mir wie eine Ewigkeit vorgekommen. Umso erleichterter war ich, als sie uns schließlich hat passieren lassen.
Was letztendlich genau das Problem war, konnte man uns nicht sagen. Aber egal; Hauptsache durch.

Die drei Stunden Aufenthalt in London sind ruck zuck vergangen. Vor dem anschließenden 11-stündigen Flug auf die Seychellen hatte es mir jedoch schon gegraut. Tagsüber zu fliegen ist für mich gar kein Problem, aber sobald ich müde werde, spielt mein Körper im Flugzeug verrückt.
Nach über 200 Flügen in meinem Leben weiß ich genau, welche Uhrzeiten mir zu schaffen machen und welche nicht. Dementsprechend nervös war ich innerlich in Gedanken an diesen Nachtflug.

Flughafen London Heathrow

In der Boeing 787 auf unsere Sitzreihe zulaufend hatte ich insgeheim gehofft, die drei Plätze für uns allein zu haben. Die Maschine war allerdings ziemlich voll und natürlich hatten wir einen Sitznachbarn. Dieser ist getrennt von seiner Freundin gesessen, was mir dann noch mal einen kleinen Hoffnungsschimmer gegeben hat. Die überaus nette Flugbegleiterin von British Airways hat sich alle Mühe gegeben, das Pärchen irgendwie nebeneinander zu kriegen. Keiner hat sich jedoch bereiterklärt, so dass wir eng an eng gestartet sind.

Der Flugbegleiterin hatte das mit den beiden aber offensichtlich keine Ruhe gelassen, da ihr die Zufriedenheit der Gäste sehr wichtig zu sein schien. Nur kurze Zeit später ist sie dann tatsächlich doch noch fündig geworden. Ein Passagier war einverstanden, seinen Platz zu tauschen und dem Pärchen das Zusammensitzen zu ermöglichen. Die beiden waren überglücklich und Dirk und ich hatten den Jackpot.
Und als wäre das nicht schon Freude genug gewesen, hat der Kapitän auch noch eine kürzere Flugzeit durchgesagt. Nur neun Stunden und 45 Minuten sollten wir unterwegs sein.

Nachdem die höfliche britische Crew das Abendessen verteilt hatte, habe ich mir vor dem „Schlafengehen“ noch zwei Filme angeschaut. Die waren zusammen mit Kopfhörern inklusive.
Danach war ich so müde, dass ich am liebsten nur noch ins Bett gefallen wäre. Und obwohl Dirk und ich – Gott sei Dank – diesen einen Sitzplatz mehr zur Verfügung hatten, waren wir ratlos, wie wir es uns hier bequem machen sollten. Fliegen ist einfach eine Strapaze. Vor allem nachts bei Müdigkeit.

Dirk hat sich mal wieder wie ein Gentleman verhalten und mir die zwei Sitzplätze überlassen, so dass ich mich mit angewinkelten Beinen hinlegen konnte. Er dagegen hatte keinerlei Platz und ist mit den Knien an dem Vordersitz angestoßen.
So sehr wir es auch versucht haben, Einschlafen war nicht drin. Die Armlehnen waren im Weg, gegen den Rücken haben die kalten Metallstücke der Gurte gedrückt, es war furchtbar laut, die geringe Luftfeuchtigkeit hat die Schleimhäute ausgetrocknet und durch die unbequeme Position ist ständig irgendeine Gliedmaße eingeschlafen. Schön ist anders.

Zu meiner Überraschung ist es mir trotzdem die meiste Zeit über recht gutgegangen. Dank meiner Tricks, die ich mir über die Jahre hinweg angeeignet habe. Man kann viel dafür tun, einen Flug angenehmer zu gestalten.
Wogegen leider nicht wirklich etwas hilft, ist die Veränderung des Drucks während der Landephase. Die einen bekommen Ohrenschmerzen, die anderen sind nervös, und mir zerreißt es schier die Magengrube. Wer beim Fliegen von diesen Symptomen verschont bleibt, kann sich glücklich schätzen.

Ich bin darauf eingestellt. Aber das würde mich niemals davon abhalten, andere Länder zu bereisen. Denn dieses ekelhafte Gefühl geht auch wieder vorbei. Der unglaubliche Blick aus dem Fenster hat es mich eh fast schon wieder vergessen lassen.

am frühen Morgen über Mahé

Für die Strecke von London nach Mahé hatte ich die linke Seite ausgewählt. Flugstrecken verlaufen nämlich immer möglichst über dem Festland. Wir sind also die meiste Zeit über den afrikanischen Kontinent geflogen. Die Seychellen befinden sich östlich davon, also in Hinflugrichtung links, was einem von dieser Seite aus den besten Blick von oben verschafft. Zumindest in der Theorie. Die auf der rechten Seite hatten wahrscheinlich auch keine schlechte Aussicht. Immerhin setzen sich die Seychellen aus 115 Inseln zusammen.

Das lange Prozedere, bis man nach dem Verlassen des Flugzeugs endlich in ein Land eingereist ist und sein Gepäck abgeholt hat, stellt einen dann noch mal auf die Geduldsprobe. Mich jedenfalls, bei so einer Uhrzeit. Während es in Deutschland noch mitten in der Nacht war, war auf den Seychellen schon der frühe Morgen angebrochen. Nur zwei Stunden sind uns die Inseln voraus.
Wir hatten mit einer erdrückenden Hitze gerechnet, doch die Wärme war angenehm und es hat sogar ein Lüftchen geweht. Es war ja auch noch früh am Morgen.

Am Flughafen der Hauptinsel Mahé mussten wir angeben, wo wir übernachten werden und hatten dann nach der Einreise noch über zwei Stunden totzuschlagen, die ich vor Müdigkeit nicht zu überbrücken wusste. Für die erste Woche haben wir uns einen Mietwagen gegönnt. Und da wir diesen in sieben Tagen wieder um 10:00 Uhr abgeben werden, mussten wir heute Morgen noch bis kurz nach zehn aushalten. Andernfalls hätte ein zweiter Miettag bezahlt werden müssen.

Vor meinen Augen habe ich vor Erschöpfung schon lauter Würmchen gesehen und Dirk war auch nicht gerade fit wie ein Turnschuh. Das ist das Los des Geldsparens im Ausland.
Während dieser scheinbar nicht enden wollenden Wartezeit konnten wir uns ein erstes Bild der Kultur machen. Sofort aufgefallen ist mir, dass die Seychellois, wie man die Einheimischen nennt, in regelmäßigen Abständen den Müll wegfegen. Über das Umweltbewusstsein in diesem Land hatte ich vorab bereits viel gelesen. Von den Seychellen könnte sich jeder eine Scheibe abschneiden.

Die Taxifahrer, die jeden Neuankömmling mit “Hey my friend! Taxi?“ angesprochen haben, waren untereinander sehr lebensfroh. Wie so oft in heißen Ländern scheint man hier viel zu lachen.

Madagaskarweber

Als die zweieinhalb Stunden mit kreischenden Vögeln und wehenden Palmen im Hintergrund fast abgesessen waren, hat Dirk an einem Automaten Geld abgehoben.
Bezahlt wird mit Seychellen-Rupien, aber vielerorts wird auch der Euro akzeptiert. Zumindest habe ich das gelesen. Ich persönlich versuche mich immer weitestgehend an die Lebensweise der Einheimischen anzupassen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es in dem Land wohl zu leben ist.
 
Der Reiseführer Lonely Planet schreibt über die Seychellen:
„Man schließe die Augen und träume… von einem schneeweißen Strand, an dem sich die Wellen des topasblauen Meeres kräuseln und der von grünen Hügeln und mächtigen Felsbrocken gesäumt wird. Man muss gar nicht träumen, denn auf den Seychellen ist das alles ganz normal. Kein Wunder, dass die traumhaft schönen Inseln ein bevorzugtes Ziel für Frischverheiratete sind. Doch wer nach mehr als Sonnenbräune oder Romantik strebt, kann sich hier einigen spannenden Aktivitäten widmen, von Dschungel- und Küstenwanderungen über Bootsausflüge bis zu Schnorcheln und Tauchen. Ökotourismus wird großgeschrieben, und die Meeresparks und Naturschutzgebiete, die viele endemische Arten beherbergen, lassen sich gut erreichen. Die Seychellen sind preiswerter, als mancher vermutet. Neben ultraluxuriösen Angeboten gibt’s im Land auch viele Unterkünfte für Selbstversorger und familiengeführte Pensionen mit Lokalkolorit. Wer von Visionen eines tropischen Paradieses heimgesucht wird, findet hier seine Medizin.“
Quelle: Lonely Planet – Mauritius, Réunion & Seychellen – 2. deutsche Auflage März 2017

Während der wenigen Schritte in Richtung Mietwagenstation gegen 10:00 Uhr, die man an diesem winzigen Flughafen gar nicht verfehlen kann, hat uns eine Angestellte eines anderen Schalters zugerufen. Wo sie dazugehört hat, war nicht ganz klar.
Sie wollte jedenfalls wissen, ob wir einen Mietwagen bestellt hätten. Der Verleiher habe bereits nach uns gesucht und sei derweil weggefahren.
Klar, so viele internationale Maschinen landen hier ja nicht.

Nach einem kurzen Anruf von ihr war er wenige Minuten später aber auch schon wieder da. „Wo wart ihr denn die ganze Zeit?“, wollte er wissen, während er uns mit Handschlag und Namen begrüßt hat. Auf unsere Antwort hin, dass der Mietwagen ja erst für 10:30 Uhr vorgesehen war, hat er gemeint, dass wir doch aber schon längst gelandet seien.
Die Begründung, dass wir das Auto für genau sieben Tage anmieten und durch eine frühere Abholung keinen achten bezahlen wollten, hat ihm nicht wirklich eingeleuchtet. Diese paar Stunden früher hätte er uns nun wirklich nicht berechnet.
Da hatte man mir bei der Buchung per E-Mail allerdings etwas anderes mitgeteilt. Naja, wie so häufig läuft es vor Ort dann eben doch anders ab. Aber wer weiß schon sicher, ob letztendlich nicht doch mehr Kosten auf uns zugekommen wären.

Beim Herumlaufen um das Auto hat Jack jede Macke notiert. Der Hyundai hat schon ein bisschen was mitgemacht. Vor allem aufgrund der hohen Bordsteine, die mir bis jetzt ziemlichen Respekt einflößen. Aber noch schlimmer sind hier auf der Insel die tiefen Gräben am Straßenrand. Fährt man da rein, kann man erst mal den Abschleppdienst rufen. Und dann auch noch der Linksverkehr, der jedes Mal aufs Neue eine Umstellung bedeutet.

Bevor wir losfahren konnten, hat Jack noch eine Kopie der Kreditkarte gefordert. Weit und breit war allerdings kein Kopiergerät zu sehen. Er aber hatte seinen ganz eigenen Trick. Er hat einfach ein dünnes Stück Papier über die Karte gelegt, einen Kuli darüber gerieben und schon waren die Zahlen wie durch Zauberei als Abdruck erkennbar.

Bei der ersten Fahrt musste mal wieder Dirk dran glauben. Unsere Unterkunft war nur 17 Kilometer entfernt, gebraucht haben wir aber über eine halbe Stunde. Ganz schön kurvenreich geht es hier zu.
Die Straße hoch zu unserem Selbstversorgerapartment ist so steil, dass ich sie noch nicht mal sehen kann, wenn ich mich strecke. Uuunheimlich, finde ich! Und dann muss man auch noch auf all die Straßenhunde Acht geben.

unsere Unterkunft



Ich glaube nicht, dass man in dieser Gegend Touristen gewohnt ist. Es handelt sich um eine Low-Budget Unterkunft, wie es der Vermieter per E-Mail extra noch ausdrücklich angegeben hatte.
Nur 60€ kostet eine Nacht. Und das in einem Land, das als Luxusziel gilt. Hier werden wir diesen wohl eher nicht finden, aber dafür haben wir einen ganz anderen Luxus. Nämlich über drei Wochen auf diesen Inseln verbringen zu können.
Außerdem bekommen wir nach der Reise 21€ zurückerstattet, da ich bei der Buchung die DeutschlandCard benutzt habe. Auch Kleinvieh macht Mist.
Gebucht habe ich über booking.com, wo ich dank Genius-Status immer mal wieder kleine Aufmerksamkeiten bekomme, wie zum Beispiel ein früheres Ein- und späteres Auschecken. Diesen Status erlangt man, wenn man häufig über diese Website bucht.


 
Unterkünfte mit Selbstverpflegung sind auf den Seychellen die günstigste Art und Weise, übernachten zu können. Viel billiger als 60€ geht es fast nicht. Alles, was preislich darunter liegt, sollte man sich gut überlegen.
Und dass man in diesem Preisrahmen wie in unserem Fall auch noch einen eigenen Park-platz und Wi-Fi hat, ist eher ungewöhnlich. Noch dazu ein bis auf die Wochenenden täglicher Zimmerservice, eine frei nutzbare Waschmaschine und zwei Flaschen Wasser zur Begrüßung.

Der Besitzer war nicht da. Stattdessen hat uns jemand aufgeschlossen, der gerade mit dem Putzen der wenigen anderen Zimmer beschäftigt war. Er war höflich, hat uns aber nicht viel erklärt. Was gibt es bei einem kleinen Zimmer von nicht mal 30 Quadratmetern mit winziger Kochnische auch schon groß zu erklären. Auf dem Tisch ist ein abgerissenes Stück Karton mit einer Telefonnummer darauf gelegen, die wir anrufen könnten, falls etwas wäre.

Etwas länger begrüßt hat uns dagegen eine rötliche Katze, die unsere Gesellschaft sehr zu genießen scheint und wohl am liebsten einziehen würde. Auch jetzt zu später Stunde steht sie immer noch miauend vor unserer Glastür, während über ihr bei Sonnenuntergang riesige Flughunde am Himmel zu sehen sind. Diese armen Viecher gelten hier übrigens als Delikatesse.



Laden zum Einkaufen

Für uns gab es heute nur Nudeln mit Kichererbsen und Soße, die wir uns am Nachmittag in einem indisch geführten Tante-Emma-Laden gekauft hatten, der Waren aus aller Welt in verschiedenen Sprachen führt. Das meiste wird eben importiert und zu kaufen gibt es nur das Nötigste.

Viele sind mit großen schwarzen Plastiktüten unterwegs. Was sie darin haben, gilt es noch rauszufinden. Ich nehme an, dass es sich dabei einfach um den Hausmüll handelt.
Es ist nicht überall so wie bei uns in Deutschland. In einigen Ländern muss der Abfall bis zu einem gewissen Punkt auf der öffentlichen Straße gebracht werden, wo sich Mülltonnen befinden.

Gleichzeitig muss man aufpassen, nicht in die seitlichen Gräben zu fahren. Und die Straßenhunde nicht zu vergessen. Der eine oder andere Einheimische hält auch einfach mal mitten auf der Straße an, um sich frisch gefangenen Fisch von den Händlern zu kaufen.
Für die nächste morgige Fahrt lasse ich lieber wieder Dirk ans Steuer.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Du schreibst aber schön! Weiter so!

    1. jaaa unbedingt weiter so, gruß lisa

  2. Kann es kaum abwarten den nächsten abschnitt eurer Reise zu lesen

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