Afrika > Seychellen > 13. Oktober 2018

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Nach einer eher kurzen Nacht haben wir morgens unser Gekochtes vom Vortag gegessen. Immer präsent ist dabei die Gingerkatze, die uns täglich jede Menge zu erzählen hat. Natürlich gehen wir auf ihre Geschichten ein. Diese beginnen immer mit: „Miäääaaau…“, und ich dann: „Ehrlich?“, „Mäu!“, „Aha… und dann?“, „Miäääaaau!“



Da wir schon früh am Morgen wach waren, haben wir uns nach einer erfrischenden Dusche zu unserem Parkplatz begeben, der sich direkt bei der Unterkunft befindet.
Dabei haben wir unsere erste Begegnung mit einer Eidechse gemacht. Aus irgendeinem Grund kreucht und fleucht es hier nicht so wie man es in einem tropischen Land erwartet. Lediglich eine Ameisenspur schlängelt sich durch unser Zimmer. Wenn diese kleinen Biester beißen, kann das ganz schön pfetzen. Das war es in unserer Unterkunft dann aber auch schon an Ungeziefer. Und auch wenn wir auf der Terrasse sitzen, werden wir nicht belästigt.
Dafür hatten wir am Mittag eine unangenehme Begegnung, um es mal milde auszudrücken. Aber mehr dazu später.

Beim Rückwärtsfahren Acht auf die Eidechse gebend haben wir uns also in Richtung Süden aufgemacht, um den Morne Seychellois National Park zu erkunden. Dort befindet sich mit 905 Metern der höchste Berg des Landes und verspricht nach dem Aufstieg eine lohnenswerte Aussicht. Da es heute eh etwas wolkig werden sollte, war Wandern die perfekte Aktivität.



Das Autofahren fällt mir von Tag zu Tag leichter. Es bleibt mir sowieso nichts anderes übrig, als die Straßenverhältnisse hier zu akzeptieren. Zu unserer Erleichterung wurde es gen Süden auch immer einfacher. Klar, wir haben heute ja auch touristisch erschlossenere Gegenden abgefahren. Im Gegensatz zum Norden war es viel unkomplizierter Parkplätze zu finden. Trotzdem sind sie auch im Süden rar und die steilen Straßen kann man in Worten gar nicht beschreiben.

Über Serpentinen ohne Absperrungen zum Abgrund habe ich mich mit dem Mietwagen Stück für Stück in den Nationalpark vorangetastet. An den Linksverkehr habe ich mich bereits wieder gewöhnt. Unglaublich, wie schnell das doch jedes Mal geht.

Umso höher wir gekommen sind, desto nebliger wurde die Landschaft. An der West Coast Road entlang hätte ich ein Foto nach dem nächsten schießen können. Das in allen Farben leuchtende Wasser war fast auf derselben Höhe wie die Straße. Nur leider ist eben mal kurz anhalten nicht so leicht umsetzbar.
Die Einheimischen dagegen lassen sich diesbezüglich nicht aus der Ruhe bringen. Sie halten wo es ihnen passt und keiner hat deswegen bisher auch nur ein einziges Mal gehupt. Generell fahren die Seychellois nicht aufdringlich. Sie überholen zwar gerne mal, wenn das Auto vor ihnen zu langsam ist (auch wenn es sich dabei um die Polizei handelt), aber sie drängen niemanden.

Morne Seychellois National Park

West Coast Road

Ursprünglich hatten wir vor, unser Auto an der Teefabrik SeyTé abzustellen und dann den Morne Blanc hochzulaufen. Irgendwie hatten wir aber die falsche Straße genommen. Die ist so steil bergauf gegangen, dass es einem schwindelig werden konnte. Und befindet man sich erst mal auf der falschen Strecke, kann es Ewigkeiten dauern, bis die nächste Wendemöglichkeit kommt.
Eine Einheimische, die gerade auf dem Weg nach unten war, hat neben uns gehalten und gefragt, wo wir hinwollen. Einen wirklichen Eingang zu dem Nationalpark gäbe es nicht und die Teefabrik sei in einer anderen Richtung. Wenn wir aber nun schon mal da seien, können wir einen schönen Wasserfall besichtigen. Wie dieser zu finden ist hat sie uns ganz genau und mit viel Geduld erklärt.

Wir waren sowieso komplett durchgeschwitzt, also haben wir uns auf diesen Abstecher eingelassen, den ich im Nachhinein am liebsten rückgängig machen würde. Kein Ungeziefer auf der Insel!?
In unserer Unterkunft jedenfalls nicht, im dichten Dschungel dagegen wimmelt es nur so davon. Und das Schlimme ist, dass uns das die ersten Meter nicht aufgefallen ist.


Fröhlich habe ich nach kurzer Zeit eine schwarze Schnecke nach der anderen am Boden fotografiert, bis ich plötzlich bemerkt habe, dass der ganze Dschungel voll von ihnen war und man wirklich aufpassen musste, wo man hintritt. Als ich nach vorne geschaut habe, um Dirk, der schon etliche Meter voraus war, darauf hinzuweisen keine zu zertreten, ist mir auf einmal dieses riesige Netz ins Auge gestochen, auf das er sich zubewegt hat. So groß, dass es von einem Baum zum anderen gespannt war und so zäh, dass selbst ein Vogel daraus wohl nicht mehr hätte entkommen können.

Innerhalb einer Millisekunde hat mein Gehirn das darauffolgende Bild einer riesigen Spinne mit spitzen Beinen scharfgestellt, wie ich es aus anderen Ländern kennend bereits tief in mein Unterbewusstsein verfrachtet hatte. Eine Palmspinne, deren Beine um die 10 Zentimeter lang waren und deren Netze locker mehrere Meter lang werden, ist ein Stückchen weiter in Dirk’s Gesichtshöhe gehangen, der sich ihr nichtsahnend immer mehr genähert hat.


Wie durch Reflex habe ich Dirk angeschrien stehenzubleiben wo er ist. Der hat keine Sekunde gezögert und einen Satz rückwärts gemacht.
Ich wusste von diesen Spinnen, habe ihre Existenz aber wie gesagt verdrängt. Dirk dagegen war in diesem Moment genauso wenig wie ich darauf eingestellt, konnte sich meinem lauten Schrei zu urteilen aber denken, dass da etwas Gewaltiges im Busch war. Im Nachhinein muss ich über seine sofortige Reaktion in Duckposition schmunzeln.

Für mich war die Wanderung zu dem Wasserfall von da an gelaufen. Ich war vor Ekel den Tränen nah. Umgeben von Dschungel, mit offenen Schuhen auf Pflanzen stehend, die meine Zehen gekitzelt haben. Ich wollte auf schnellstem Wege zurück zum Auto, und Dirk auch. Dumm nur, dass mir die vielen anderen Palmspinnen zuvor nicht aufgefallen waren. Urplötzlich hatte ich realisiert, dass an fast jedem Baum ein Netz gespannt war und wir uns bereits an mehreren dieser monströsen Geschöpfe vorbeibewegt hatten, ohne es zu merken.
Nun war ich nicht mehr nur den Tränen nah, sondern kurz vorm Heulen. Rechts und links waren diese Giganten und ich mittendrin. Geduckt und schluchzend bin ich den Pfad zurück Richtung Auto abgelaufen, Dirk wie immer voraus.

Endlich zurück im sicheren Mietwagen sind mir die Schweißperlen das Gesicht runtergelaufen. Alle Wanderungen, die ich mir so sorgfältig rausgesucht hatte, waren von diesem Augenblick an gestrichen. Ich wollte nur noch weg. Raus aus dem Dschungel. Egal wohin, einfach nur raus.

Am liebsten war mir jetzt der Strand. Krabben sind auch nicht gerade meine Freunde, aber im Gegensatz zu dem, was ich gerade gesehen hatte, auf einmal völlig harmlos.
An der Anse L’Islette war die Welt dann plötzlich wieder in Ordnung. Meer, Sand und uns kokosnussandrehende Einheimische.
Da man dort sehr gut parken konnte, haben wir Handtuch und Schnorchelausrüstung geschnappt und uns einen guten Spot ausgesucht. Gleich neben den hübschen Straßenhunden im Sand, die eben auch wissen wo es gut ist.

West Coast Road
Anse L’Islette

Der Blick auf die gegenüberliegende Insel, die man bei Ebbe sogar zu Fuß betreten kann, war trotz leicht grauem Himmel atemberaubend. Obwohl ich eine miserable Schwimmerin bin und kreislauftechnisch in heißen Ländern eher schlecht als recht klarkomme, habe ich mir die Flossen über die Füße gezogen, meine Unterwasserkamera um den Arm gebunden
und die Brille samt Schnorchel über den Kopf gestülpt.

Wasser ist nicht mein Element und dennoch schnorchle ich in jedem Land, das dazu einlädt. Guadeloupe war in Sachen Meer damals mein bester Lehrer. Die neun Wochen in diesem karibischen Überseedépartement haben mir dabei geholfen, mich mit dem Wasser anzufreunden. Und trotzdem sind Schwimmen und Schnorcheln immer wieder eine erneute Herausforderung.
Das ist wohl in etwa so wie bei Menschen mit Höhenangst. Trainiert man den Aufenthalt in der Höhe lang genug, wird es von Mal zu Mal leichter. Begibt man sich jedoch eine Zeit lang nicht mehr in Höhen, kann man mit dem Training gerade wieder von vorne beginnen.


Nichtsdestotrotz habe ich mich in das gar nicht mal so kühle Nass begeben, während Dirk es sich auf seinem Handtuch in der prallen Sonne bequem gemacht hat.

Durch den Schnorchel zu atmen war anfangs wieder ungewohnt und die mich wegtreibenden Wellen haben Unruhe in mir ausgelöst. „Niemals in Panik ausbrechen“, ist die Devise.
„Was ist denn auch schon dabei? Dann treiben sie mich eben weg. Dann komme ich halt an einem anderen Abschnitt des Strands raus und laufe den ganzen Weg zurück.“ Mit dieser Einstellung ist es besser geworden.

Aufgrund der Wellen wurde der Sand aber leider so stark aufgewirbelt, dass ich zwar bunte Fische sehen, aber nicht wirklich fotografieren konnte. Im tieferen Wasser hätte das bestimmt gut geklappt, aber so weit habe ich mich noch nicht getraut.
Als ich die gegenüberliegende Insel schließlich erreicht hatte, war ich stolz auf mich. Diese allgegenwärtigen Granitfelsen hier auf den Seychellen hauen mich um. Sie sind so unglaublich einzigartig und wunderschön. Die Seychellen sind schon etwas ganz Besonderes und vereint mit Luxus sicherlich das Paradies, von dem man immer wieder hört.

Anse La Mouche

Nähergekommen sind Dirk und ich diesem paradiesischen Gefühl, als wir nach der anschließenden Weiterfahrt die Anse Soleil erreicht hatten. Dort befindet sich auch das 5-Sterne Kempinski Resort, das hier auf den Seychellen mein absoluter Traum wäre. Nur leider kostet eine einzige Übernachtung dort fast so viel wie ich für einen einwöchigen Urlaub ausgeben würde. Und da ich zu meiner Flugbegleiterzeit in so einigen Luxusresorts war, ist dieser Part meiner bucket list im Grunde sowieso schon abgehakt.

Parken an der Anse Soleil war verrückt. Ultrasteile Straßen, wie einfach überall, und noch dazu eng. Endlich unten an einem Café vor der Bucht angelangt wurde man anhand von Schildern darauf hingewiesen, dass es verboten ist, sein Auto hier abzustellen. Mehrmals musste Dirk rangieren, um wieder umzudrehen. Und dann ist uns auch noch ein Jeep entgegengekommen. Gott sei Dank mit einem Einheimischen darin. Der ist in dieser aussichtslos erscheinenden Lage aus seinem Wagen gestiegen, hat den Allrad an der Vorderachse zugeschaltet und uns dann zu sich hergewunken. Der Arme musste das ganze Stück rückwärts hoch. Verblüffend, wie manche in so einer Situation Ruhe bewahren können.

Am Ende hat Dirk neben dem Straßenrand geparkt, wo auch ein paar andere Autos gestanden sind. Vor ihre Reifen hatten sie zum Blockieren große Steinbrocken gelegt.
Aufgrund der Parksituation – nehme ich an – war die Anse Soleil bis auf ein paar wenige Leute menschenleer. In dem Moment, als wir uns in den puderweichen Sand gesetzt und vor uns dieses wundervolle Rauschen der türkisfarbenen Wellen hatten, waren wir geistig endlich auf den Seychellen angekommen.

Anse Soleil

Unsere knurrenden Mägen haben wir uns vor Verlassen der Bucht in dem Café noch mit einem kleinen Salat gefüllt. Günstig kommt man hier nicht gerade weg. Wir ernähren uns also zum Großteil von Selbstgekochtem oder eben so günstig wie möglich, auch wenn dabei nicht gerade das optimale Sättigungsgefühl eintritt.

Obwohl mir der Tag schon sehr lang vorgekommen war, war es gerade mal 14:00 Uhr. Also sind wir noch ein Stück weiter Richtung Südosten gefahren. Hier unten ist das Autofahren so viel angenehmer als im Norden. Touristische Erschließung ist sonst so gar nicht meins, aber von Deutschland in ein heißes Land mit anstrengenden Straßen und fehlendem Komfort zu kommen, macht mich müde.
Ich selbst wollte es so. Ich wollte möglichst günstig verreisen und dort übernachten, wo es auch die Einheimischen tun. Inklusive Selbstversorgung. Ich denke, wenn wir erst mal auf den Nachbarinseln sind, wird es gelassener zugehen.

Flughund

Schon lustig, wie man in unterschiedlichen Lebensabschnitten Dinge unterschiedlich bewertet. Vergleicht man eine minimalistische Unterkunft mit dem, was man zu Hause hat, sieht man eher etwas auf sie herab. Wenn ich aber an Zeiten denke, in denen ich viele Monate am Stück gereist bin, den Komfort von zu Hause schon völlig vergessen hatte und nach etlichen unbequemen Nächten auf Autositzen und Fußböden endlich mal wieder in einem Zimmer mit richtigem Bett übernachtet habe, muss ich über meine aktuellen Gedanken lachen. Was hätte ich mich zu dieser Zeit über eine solche Unterkunft gefreut.

Es kommt eben immer auf den Vergleich an.

Die nächste Bucht an dem heutigen Tag war die Anse Intendance. Ein ebenfalls sehr idyllischer Strand, der bei blauem Himmel gigantisch schön sein muss. Dass die Farbe des Wassers trotz der heute relativ grauen Wolken dennoch so strahlt, fasziniert mich.

Nun sitze ich schon wieder seit über zwei Stunden an diesem Bericht und kann kaum noch die Augen aufhalten. Die Eindrücke hier erschlagen mich. Ich könnte ewig weiterschreiben. Aber irgendwann ist auch mal Ausruhen angesagt, also mache ich an dieser Stelle einen Cut.

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  1. Tolle Fotos!!!

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