Afrika > Seychellen > 20. Oktober 2018

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Nachdem wir gestern nach unserer ersten Nacht schon um 07:00 Uhr wach waren, sind wir frühstücken gegangen. An unserem Tisch auf der Veranda stand bereits ein Teller mit Obst. Abgedeckt mit Frischhaltefolie, damit kein Ungeziefer dran kommt; oder die gierigen Madagaskarweber, die betteln wie unsere Spatzen in Deutschland. Sie beobachten genau, wer von seinem Tisch aufsteht, um die Gelegenheit zu nutzen, ihre Schnäbel in die letzten Reste der süßen Marmelade zu stecken.



Die Angestellten bedienen ihre Gäste barfuß, was ich sehr sympathisch finde. Noch vor zwei Tagen war ich mir sicher, mich zu hüten, bei dieser Insektenvielfalt meine Schuhe auszuziehen. Gestern dann, einen Tag später, bin ich auch schon barfüßig unterwegs gewesen.

Die Küche, von der ich vor zwei Tagen noch behauptet hatte, sie nicht anzurühren, habe ich gestern zum Kochen benutzt; zumindest nachdem man uns die Gasflasche ausgetauscht hat. Die war nämlich leer. Salz und Pfeffer hat uns die zierliche Besitzerin der Unterkunft auch gleich mitgebracht; sehr hilfsbereit und lieb.
Wenn ich uns etwas zu essen zubereite, läuft es meistens auf Pasta hinaus. Das ist am einfachsten, wenn einem die nötigen Küchenutensilien fehlen.



Obwohl es gestern fast den ganzen Tag geregnet hat, waren Dirk und ich trotzdem spazieren; auch wenn das auf den Straßen ohne Gehwege etwas mühselig ist. Unseren Mietwagen auf Mahé schätze ich im Nachhinein sehr.

Einen Großteil des Tages haben wir aber in unserer Unterkunft verbracht. Der Regen war sehr angenehm und auf den Balkon mit Spinnenpotential habe ich mich irgendwann doch noch getraut. Unsere einzige Gesellschaft waren Eidechsen, jede Menge Vogelarten und natürlich Flughunde am Himmel.

Um nicht fast ausschließlich drinnen abgehangen zu sein, haben wir uns bei Dunkelheit noch mal Richtung Strand aufgemacht, um dort zu Abend zu essen. Meine Idee war das nicht. Dirk hat mir jedoch versichert, mit Taschenlampe vorauszulaufen und die Lage zu checken. Alle paar Sekunden hieß es: „Achtung, Schnecke!“ Und das eine Mal hat er mich nach vorne gezogen und gesagt: „Schau nicht hin!“ Aus der Kanalisation ist wohl genau neben unseren Füßen eine riesige Krabbe gekommen, die auch ihm einen Heidenschrecken eingejagt hat. Das Abendessen war jedenfalls sehr gut.

unsere Unterkunft
Madagaskarweber

Aufgewacht bin ich heute Morgen so ausgeruht wie noch nie auf dieser Reise. Ich habe komplett durchgeschlafen. Und heute haben wir uns dann spinnentechnisch abgehärtet genug gefühlt, um uns mal wieder auf in den Dschungel zu machen. Die berühmteste Sehenswürdigkeit auf Praslin ist das Schutzgebiet Vallée de Mai. Unser Taxifahrer hatte uns aber den guten Rat gegeben, stattdessen das Fond Ferdinand Nature Reserve zu besichtigen, welches als Geheimtipp gilt. Die Flora und Fauna ist in diesem Reservat dieselbe, der Eintritt ist mit 125 SR (ca. 8€) pro Person günstiger, es ist weniger überlaufen und die Guides gehen persönlicher auf die Besucher ein.

Der Bus-stop befindet sich direkt gegenüber unserer Unterkunft. Wie ich bereits gelesen hatte, wartet man auf Busse teilweise ewig. Das hat sich für uns heute bestätigt. Über eine Stunde sind wir neben dem Straßenrand gestanden und hatten keine Ahnung, ob der Bus jemals kommen wird; und das bei tropischer Schwüle. Spaß gemacht hat das jedenfalls keinen. Durch die Fahrt nur fünf Minuten weit zu kommen war auch ärgerlich, denn um den Fond Ferdinand zu erreichen, mussten wir umsteigen. Also noch mal eine Stunde warten…? Nein danke!



11:00 Uhr war es mittlerweile schon, als wir nach der ersten Haltestelle in einem Geschäft nachgefragt haben, wie weit es bis zu dem Reservat noch sei und ob wir laufen können. Davon hat man uns sofort abgeraten. Wir wären ziemlich lang unterwegs gewesen und selbst mit dem Bus hätte das so spät nicht mehr viel Sinn gemacht. Die besseren Führungen, die man dort bekommt, starten morgens. Nachmittags gibt es zwar auch welche, der Einheimische aus dem Geschäft hat uns aber aus eigener Erfahrung mitgeteilt, dass wir die besser lassen sollten. Die Wanderung sei nicht einfach und bei Mittagshitze kaum auszuhalten.

Und schon waren unsere Pläne für den heutigen Tag dahin. Und was jetzt?
Ich wollte unbedingt etwas von Praslin sehen, also sind wir einfach planlos die Straße entlanggelaufen. Die Sonne hat uns auf den Schädel geknallt und die Autos sind an uns vorbeigerauscht. Es gibt ja keine Gehwege. Deshalb läuft man hier immer auf der rechten Seite, um den entgegenkommenden Verkehr rechtzeitig zu sehen. Wenn es sich um ein großes Fahrzeug handelt, muss man sich auf ein Betonstück stellen oder was sonst eben in diesem Moment neben der Straße zu finden ist, und warten bis es vorbeigefahren ist.

Baie Sainte Anne


Das Laufen hat trotzdem Spaß gemacht. Auch wenn wir dabei fast geschmolzen sind. Wir sind einfach so lang der Straße gefolgt, bis wir keine Lust mehr hatten. Dann haben wir kehrtgemacht und eine halbe Stunde auf den Bus zurück zu unserer Unterkunft gewartet. Während der Fahrt hält man sich am besten fest, da die Fahrer häufig stark abbremsen und man in den Kurven ziemlich hin und her geschleudert wird.

Busfahren ist auf jeden Fall eine sehr günstige Methode, die Insel abzufahren. Es kostet einen aber auch Nerven und jede Menge Zeit.
Fahrrad- und Rollerfahrer sieht man hier schon häufiger als auf Mahé. Ich denke, mit dem Fahrrad kann man einen großen Teil Praslin’s gut abfahren, auch wenn unser Busfahrer einen Touristen einmal so eng geschnitten hat, dass ich ihn gedanklich schon in den Abgrund habe stürzen sehen. Er hatte sein Fahrrad aber offensichtlich ganz gut unter Kontrolle.



Da wir auf Praslin nur noch zwei volle Tage haben, wovon wir den ganzen morgigen auf der Insel Curieuse und dem Schnorchelspot Saint Pierre verbringen werden, bleibt nur noch einer zur Erkundung. Übermorgen werden wir uns für 24 Stunden einen Mietwagen besorgen. Dann können wir früh zum Naturreservat fahren und mittags an ein paar Buchten halten.

Heute Nachmittag habe ich meinen dritten Schnorchelversuch gewagt. Von der Anse Volbert aus sieht man direkt auf die schöne Insel Chauve Souris. Dirk war von dem Wasser voller Seegras nicht wirklich angetan und wollte lieber den morgigen Schnorchelausflug abwarten. Mir aber hat es keine Ruhe gelassen, dass wir schon seit 10 Tagen auf den Seychellen sind und noch nicht einmal so richtig die Unterwasserwelt bestaunen konnten.

Straßenhunde an der Anse Volbert

Blick auf die Insel Chauve Souris

Dieses Mal bin ich die Sache etwas schlauer angegangen. Vor einer Woche war ich nach dem Schwimmen auf eine Insel beim Ankommen nämlich so durstig, dass mein Kreislauf gesponnen hat. Schnorcheln löst bei mir nach gewisser Zeit grundsätzlich ein Schwindelgefühl aus. Um dem entgegenzuwirken habe ich meine Wasserflasche in den leeren Beutel der Schnorchelausrüstung gepackt und diesen wie einen Rucksack über die Schultern gehängt.

Bei all dem Seegras hatte ich kaum Hoffnung, irgendetwas Spektakuläres zu sehen, aber ich wollte es zumindest versuchen.
Die Strömung ist nach links gezogen, also bin ich am Strand zuerst ein ganzes Stück nach rechts gelaufen, um durch das Wegtreiben beim Schwimmen die Insel Chauve Souris genau zu erreichen.

Beim Schwimmen ist mir das wehende Seegras fast bis zum Bauch gegangen, weil das Wasser so seicht war. Das ist etwas unangenehm, weil man ja nicht sieht, was sich darin befindet.




Ich war gerade mal ein paar Minuten geschwommen, da hat mir ein Seychellois aus seinem Boot zugerufen, ob alles OK sei. Ich war die einzige Schnorchlerin weit und breit.

Das sei keine gute Stelle, um Fische zu sehen, hat er gemeint. Als ich ihm zurückgerufen habe, dass ich auf dem Weg zu der Insel bin, hat er mir angeboten mich ein Stück mitzunehmen. Das ist mir sehr entgegengekommen. Er hat die Leiter ausgefahren und mich zu sich nach oben gezogen. Und zack hatte ich mir ein Stück der Strecke erspart. Wirklich verbessert hat sich die Sicht an dieser Stelle des Meeres aber auch nicht. Man müsste einfach viel weiter raus schwimmen.

Nach einer Trinkpause auf der Insel habe ich mich allmählich wieder auf den Rückweg zum Strand gemacht. Und gerade, als ich im Wasser nichts Sehenswertes mehr erwartet habe, ist ganz nah neben mir ein gut 60 Zentimeter langer Fisch vorbeigeschwommen. Da habe ich vor Schreck kurz mal einen „Unterwasserschreier“ losgelassen.

Aha! Man sieht in diesem niedrigen Gewässer also doch Fische! Mit dieser Einstellung habe ich mich ab da etwas langsamer fortbewegt und die Flossen nur noch sanft zum Einsatz gebracht. Und siehe da, plötzlich haben sich doch noch ein paar Fische gezeigt.
Verglichen mit anderen meiner Schnorchelerlebnisse war das dennoch ein Witz. Der Sand war viel zu aufgewühlt und das Seegras hat mich ständig gestreift. Ich war aber trotzdem glücklich, überhaupt etwas entdeckt zu haben.



Nach etwas Geduld wurde ich sogar mit einer kleinen Muräne belohnt, die mir allerdings klargemacht hat, mich nicht gerne in der Nähe ihrer Behausung zu haben; dachte ich zumindest. Nach etwas Recherche habe ich jedoch rausgefunden, dass Muränen ihren Mund zum Atmen ständig auf und zu machen. Es handelt sich dabei also nicht etwa um eine Art aggressives „Fauchen“.

Zu nahe sollte man diesen langen, in Höhlen lebenden Tieren, aber besser nicht kommen. Vor allem, weil größere Exemplare einem den ganzen Finger abbeißen können. Sie sehen nicht gut und schnappen deshalb manchmal einfach nach etwas.

Sie etwas beobachten zu können hat mich sehr gefreut. An der mir danach begegnenden Seegurke bin ich dagegen schnell vorbeigeschwommen. Irgendwie eklig, diese komisch aussehenden Würste, die übrigens Tiere sind. Auch mit ihnen sollte man sich besser nicht anlegen, denn das könnte schleimig enden. Die Seegurke atmet durch ihren After und attackiert ihr bedrohlich erscheinende Gäste, indem sie ihre Eingeweide abstößt. Faszinierend ist, dass diese innerhalb weniger Wochen einfach wieder nachwachsen.

Seegurke

Ich hatte zwar keine optimale Sicht, war von dem kleinen Schnorchelausflug aber trotzdem begeistert. Ich freue mich schon auf den morgigen.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar.

  1. die seychellen sind ja wirklich ein traum

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