Afrika > Seychellen > 21. Oktober 2018

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Heute hatten wir einzigartige Begegnungen mit Riesenschildkröten. Curieuse Island sollte man bei einem Seychellen Urlaub auf keinen Fall auslassen. Für mich war das in Sachen Tiere das bisherige Highlight.

Für 800 SR (ca. 51€) pro Person hat uns unsere liebe Unterkunftsbesitzerin eine Halbtagestour inklusive Schnorchelausflug gebucht. Normalerweise ist das der Preis für eine Gruppe mit Mindestteilnehmerzahl. Das andere Pärchen ist aber nicht erschienen, weshalb wir eine private Bootsfahrt mit dem Seychellois Larry bekommen haben.
Am frühen Nachmittag hat er uns bei unserer Unterkunft abgeholt und ist mit uns zur Anse Volbert gegangen, wo wir etwa oberschenkeltief ins Wasser gelaufen sind, um auf sein Boot zu steigen. Er hatte dieselbe Gelassenheit wie so ziemlich jeder hier.

Curieuse Island – Baie Laraire

Dirk und ich sind auf der etwa 15-minütigen Fahrt vorne auf den weichen Matten gesessen und hatten einen direkten Blick auf die immer näherkommende Curieuse Island. Larry hat so enorm Speed gegeben, dass wir über die Wellen gerade so drüber geflogen sind.
Als wir einen guten Gesamtblick auf die Insel hatten, hat er uns mit seinen Fingern gezeigt, wo wir uns in drei Stunden wieder treffen werden.
Raus gelassen hat er uns an der Baie Laraire, wo die Granitfelsen mal wieder spektakulär waren; wenn nicht sogar die bisher spektakulärsten. Zusammen mit den vielen Farben des Wassers, in das man ewig weit reinlaufen kann, war die Kulisse genau so, wie man sich die Seychellen vorstellt.


Beim Betreten der Insel muss eine Gebühr von 200 SR (ca. 13€) bezahlt werden. Diese dient dem Schutz und der Pflege von Tieren und Pflanzen. Bis auf die Parkranger ist die drei Quadratkilometer große Curieuse Island unbewohnt. Nur ein Teil davon ist für Besucher zugänglich, was den Schildkröten einen Rückzugsort bietet. Das ist echt klasse.

Nachdem wir vor den Felsen im Wasser ein paar Fotos geschossen hatten, haben wir uns an Land begeben, um diese lang ersehnten Tiere aufzusuchen. Dort war es wegen der auf dem Boden liegenden Äste ohne Schuhe für die nackten Füße etwas stupfelig, so dass Dirk sich kurz hingestellt und seine angezogen hat. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich etwas wahrgenommen und ruhig zu ihm gesagt habe: „Nicht erschrecken.“
Am Vortag hatte ich noch Späße gemacht, dass man die riesigen Schildkröten mit ihren Panzern wahrscheinlich schnell mal mit einem Felsen verwechseln kann.

Dirk hat sich vorsichtig umgedreht und plötzlich festgestellt, dass genau neben ihm dieses gigantische Geschöpf von über einem Meter Länge gestanden ist, das ausgesehen hat wie aus der Urzeit. Ganz genau hat sie uns angeschaut und nur gaaanz langsam den Kopf bewegt. Seeehr gemächlich.



Im ersten Moment hatten wir Respekt vor ihr. Keiner von uns war jemals zuvor einer Riesenschildkörte begegnet. Ihre Haut hat so befremdlich ausgesehen und ihren Augen konnte man nicht ablesen, ob sie es gut mit uns meint oder lieber ihre Ruhe möchte.

Und dann noch diese scharfen „Zähne“, die auf den ersten Blick ganz merkwürdig ausgesehen haben, da sie mit der Haut verbunden sind und sich außen befinden. Dabei handelt es sich um harte Kieferleisten zum Zerreisen von Nahrung, denn Schildkröten haben keine Zähne und kauen auch nicht.

Erst mal den Ranger fragen, wie wir uns diesen Tieren gegenüber verhalten sollen, war der Plan. Dieser hat uns direkt begleitet und uns ganz viel über sie erzählt; ein sehr netter Mann.




Krault man die Schildkröten unten am Hals, richten sie sich auf. Jede Bewegung läuft in Zeitlupe ab. Sie tun niemandem was und sind sehr gutmütig. Nur beim Füttern muss man aufpassen, dass sie nicht die Finger erwischen. Sie sollen sich aber sowieso allein ernähren und nicht vom Menschen abhängig sein. Diese haben ihnen schon genug angetan und tun es leider immer noch.

Früher haben die Schildkröten nicht nur auf den Seychellen gelebt, sondern auch auf Madagaskar, Mauritius und anderen Inseln im Indischen Ozean. Dort sind sie aber schon lang ausgerottet. Da ihr Fleisch vor allem zu früheren Zeiten sehr beliebt war, hat man sie auf Schiffen als Nahrung lebend in Gefangenschaft gehalten. Und auch auf den Seychellen findet man sie immer noch in privaten Haushalten vor.



Das Traurige ist, dass sie in Gefangenschaft mehr als doppelt so alt werden wie in Freiheit. Statt den durchschnittlich 80 Jahren werden sie etwa 100 weitere Jahre älter. 180 Jahre in Gefangenschaft…
Häufig werden sie dort so gemästet, dass sie um die 400 Kilogramm schwer werden. In Freiheit sind es dagegen „nur“ bis zu 250.

Der nette Ranger hat uns zu einer Aufzuchtstation gebracht, wo er uns winzig kleine Schildkröten gezeigt hat und auch welche, die fast fünf Jahre alt waren. Ihr Lebensraum darin ist sehr begrenzt und von Gittern umgeben. Natürlich habe ich ihn nach dem Grund gefragt; und dieser ist erschütternd.
Wenn gerade keiner hinschaut, werden die Babies regelmäßig heimlich gestohlen und teuer verkauft. Zum Beispiel, um sie in Einrichtungen für Touristen auszustellen. Das macht mich unheimlich traurig.


Die Ranger aber kümmern sich gut um ihre Schützlinge. Diese Insel ist Heimat mehrerer Hundert von ihnen.

Hauptsächlich ernähren sie sich von Gras und Pflanzen, aber auch mal von Obst, Aas und sogar Kot. Sie sind wahre Überlebenskünstler. Ohne etwas zu fressen oder trinken können sie monatelang überleben. Trinken können sie auch durch die Nasenlöcher; echt lustig.
Männchen erkennt man übrigens an ihrem nach innen gewölbten Panzer. Damit können sie beim Geschlechtsakt auf den nach außen gewölbten Panzer der Weibchen steigen; sehr clever.
Die Einheimischen nennen die Landschildkröten „tortoises“ (gesprochen: tortois).



Ich hätte Stunden mit diesen faszinierenden Tieren verbringen können. Manche von ihnen sind neugierig und andere widmen sich voll und ganz den kurzen Grashalmen, die sie auf Menschen wirkend mühsam Stück für Stück abrupfen. Durch ihre Augen sieht man ihre gute Seele.

Wie sich so eine Riesenschildkröte anfühlt, kann ich nicht wirklich beschreiben. Dirk sagt in etwa wie hartes Leder. Sie scheinen es jedenfalls zu genießen, wenn man sie streichelt. Ob sie an ihrem Panzer auch etwas spüren, ist schwer zu sagen. Der Ranger hat gemeint, sanfte Berührungen würden sie nicht fühlen, aber wer kann das schon so genau sagen. Drüberkratzen sollte man nicht. Das ist nicht gut für den Panzer, der mit der Haut übrigens verbunden ist.



Dieses Erlebnis werde ich mein Leben lang in Erinnerung behalten.

Da wir Larry an der 30 Minuten entfernten Anse Saint José wieder treffen sollten, haben wir uns allmählich auf zur Wanderung durch die Mangrovenwälder gemacht. Diese führt zu einem Großteil über Holzstege. Empfindlich sollte man besser nicht sein. Die flinken Eidechsen huschen ganz nahe an den Füßen vorbei und auf dem Schneckenfriedhof auf dem sumpfigen, unangenehm riechenden Boden sind Krabben in allen Größen zu Hause.
Ich habe das Gefühl, immer abgehärteter zu werden. Je länger ich hier bin, desto einfacher wird es mit den Kriech- und Krabbelviechern.





Wie immer sind wir in der prallen Hitze vor Schwitzen ausgelaufen. Man ist hier eben permanent nass und könnte am Tag zehnmal duschen; bald aber konnten wir uns ja an der Anse Saint José abkühlen.

Vorher noch vorbei an der Ruine des Ärztehauses. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts waren auf der Insel nämlich Leprakranke in einer Quarantänestation. Die Überreste sind noch heute zu sehen.




In dem klaren Wasser der Bucht wollte ich unbedingt noch etwas die Unterwasserwelt erkunden, bis Larry uns abholen sollte. Es mag für Hollywoodfilmgeschädigte vielleicht etwas verrückt klingen, aber um Praslin herum hat man eine relativ gute Chance, Haie zu sichten und auf so eine Begegnung warte ich schon mein ganzes Leben.

Dummerweise habe ich mich mit dieser – sich nicht erfüllten – Hoffnung mit meiner Ungeübtheit etwas zu lang im Wasser aufgehalten. Als ich, ohne etwas Interessantes gesehen zu haben, zurück an Land geschwommen bin, war mein Kreislauf im Keller. Ich bin nur noch wie ein nasser Sack auf dem Handtuch gelegen und hatte einen Kloß im Hals. Und dann ist im selben Moment auch noch Larry angefahren gekommen, so dass ich keine Zeit hatte, wieder fit zu werden.

Anse Saint José


Dabei wollten wir doch jetzt die Insel Saint Pierre ansteuern, um dort zu schnorcheln. Da hatte ich aus lauter Euphorie echt mal wieder nicht mein Hirn eingeschaltet. Das Ende vom Lied war, dass es mir bei diesem tollen Schnorchelspot kotzelend war und das auf der Stelle schaukelnde Boot hat es nicht besser gemacht.

Naja, ich bin trotzdem ins Wasser gesprungen und habe zumindest eine kurze Zeit lang geschnorchelt. Sooo tolle Fische! Viele, die ich bereits gekannt habe, aber auch ein paar neue. Schade, dass es mir so schlechtgegangen ist. Ich wäre so gerne um die Insel herum geschwommen.

Insel Saint Pierre




Trotzdem bin ich stolz auf mich, dass ich mich Situationen, in denen ich mich nicht wohlfühle, immer und immer wieder aussetze. Es ist nicht schön, wenn es einem nicht gutgeht, aber man verpasst sonst das Leben.
Man mag nun denken, dass ich das leicht von mir behaupten kann, und es mir so schlecht dann ja nicht gehen kann. Aber ganz ehrlich, das tut es. In der Luft und auf dem Wasser macht mein Körper fast jedes Mal Faxen. Aber was hätte ich schon alles versäumt, würde ich mich davon einschränken lassen.

Ein paar hübsche Unterwasservideos sind trotzdem gelungen; auch wenn bei einem schweren Tsunami im Jahr 2004 alle Korallen gestorben sind. Der Boden ist tot, aber die bunten Fische sind trotzdem großartig.

Ich war unheimlich froh, als ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte und zu unserer Unterkunft war es nicht weit. Dort habe ich mich nach einer erfrischenden Dusche aufs Bett gelegt und bin sogar für 10 Minuten eingeschlafen; und das am helllichten Tag. Danach hat die Welt schon wieder anders ausgesehen und nach dem Essen war ich wieder hergestellt.

Den Rest des Tages war Relaxen angesagt. Ohne Internet, ohne Fernsehen, ohne Radio. Die meiste Zeit funktioniert nichts von alldem. Aber ich bin ja sowieso täglich mehrere Stunden mit meinen Berichten beschäftigt; langweilig wird es mir also nie.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar.

  1. Was für tolle Tiere!!!

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