Afrika > Seychellen > 22. Oktober 2018

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Nachdem sich Busfahren als mühselig rausgestellt hat und Fahrradfahren nur etwas für Supersportliche ist, haben wir uns heute für 24 Stunden ein Auto gemietet. Damit haben wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Heute hätten wir Geld ausgeben müssen, um an diesem letzten Tag noch Praslin zu erkunden und morgen für die Weiterreise auf die Insel La Digue ein Taxi zum Hafen nehmen. So können wir beides mit dem Mietwagen machen.

unser Mietwagen

Der Mietwagen kostet uns 850 SR (ca. 54€). Das Tolle ist, dass er heute Morgen kostenlos zu unserer Unterkunft geliefert wurde und wir ihn morgen direkt am Hafen abstellen können. Das ist hier auf Praslin ein klasse Service.

Unser erstes Ziel war das Fond Ferdinand Nature Reserve, für das wir vor zwei Tagen ja zu spät dran waren. Anscheinend wäre das mit dem Bus sowieso kein leichtes Unterfangen geworden.
Um kurz vor 11 waren wir da; gerade pünktlich für die Führung zur vollen Stunde mit dem Spitzenguide Hannes, der von Deutschen immer wieder auf seinen für die Seychellen ungewöhnlichen Namen angesprochen wird. Ja ja, da müsse er mit seiner Mutter mal ein Wörtchen reden, hat er gesagt.
Einen besseren Führer hätten wir für die zwei Stunden nicht kriegen können. Er hat das alles mit so viel Humor und Leidenschaft gemacht.



Die über 600 Stufen zum Aussichtspunkt bei Tropenklima hochzusteigen hat in der Gruppe einige Seufzer ausgelöst. Hannes aber hat die ganze Tour in einem idealen Tempo gemacht. Zwischendurch wurden immer wieder kleine Verschnaufpausen eingelegt, in denen er uns interessante Dinge über die verschiedenen Pflanzen erklärt hat.

Begonnen hat er natürlich mit der Coco de Mer, die für die meisten der Hauptgrund ist, hierher zu kommen. An ihr als Symbol der Seychellen kann man gar nicht unbewusst vorbeigehen. Sie ist allgegenwärtig; in Souvenirläden, auf Toilettenschildern, Restaurants tragen ihren Namen, Unterkünfte, einfach überall stoßt man auf diese weltweit einzigartige Kokosnuss.
Um das Geschlecht zu erkennen ist kein Biologieabschluss nötig. Die weiblichen Cocos de Mer ähneln einem Frauenschoß und die männlichen einem langen… „Das bedarf keiner Erklärung“, wie Hannes es ausgedrückt hat.

Cocos de Mer – weiblich und männlich
Cocos de Mer an einer Palme

Um die 30 Kilogramm wiegt die Frucht. Nach etwa sieben Jahren ist sie reif und kann, wenn sie von der Palme fällt, einen Menschen töten.

Ihr Bestand auf den Seychellen wird ganz genau dokumentiert. Hannes konnte uns die exakte Zahl der vorhandenen Nüsse in diesem Naturreservat mitteilen. Zumindest die der weiblichen. Auf die männlichen wird weniger Wert gelegt. „Wie im wirklichen Leben.“, hat er hinzugefügt. „Immer geht es nur um die Frauen.“
Die Coco de Mer steht unter Schutz. Noch nicht mal ein Einheimischer darf diese essen, ohne sich vorher eine Genehmigung eingeholt zu haben. Bei einem Diebstahl nur einer einzigen dieser Exemplare wird man mit fünf Jahren Gefängnis bestraft. „Wenn ihr also noch fünf weitere kostenlose Jahre auf den Seychellen verbringen wollt, nur zu“, hat Hannes scherzend gesagt.

Vanillepflanze an einem Takamaka-Baum

Einige Stufen und verschwitzte Rücken später ist es mit der Betrachtung einer Vanillepflanze weitergegangen, die an einem der für die Seychellen berühmten Takamaka-Bäume raufgeklettert ist. Die Ranken benötigen etwas, woran sie sich stützen können. Ursprünglich kommt die Vanille aus Mexiko. Sie ist hier also nicht natürlich entstanden.
Der Takamaka-Baum dagegen, auf den die Seychellois aufgrund ihres daraus gewonnenen Rums sehr stolz sind, ist einheimisch. Es gibt außerdem eine Bucht namens Takamaka sowie einen Ort namens Takamaka, „Einfach alles ist Takamaka!“, hat Hannes lachend von sich gegeben.

Auch an einer bestimmten Palmenart sind wir vorbeigekommen. Aus ihr können die essbaren Palmherzen gewonnen werden, die ich so superlecker finde und die hier gerne für Salat verwendet werden. Leider muss zur Ernte die gesamte etwa 15 Jahre alte Palme gefällt werden, wie ich heute gelernt habe.

Das war ja mal wieder klar. Schon wieder etwas, auf das ich aus ethnischen Gründen verzichten muss. In einem letztjährigen Artikel wird jedoch über diesen sogenannten Millionärssalat geschrieben, dass das Abschlagen der Palmen schon seit langer Zeit verboten ist und heutzutage nur noch bereits tote Palmen dafür benutzt werden.

Wie Dirk und ich es bereits von Kuba kennen, findet man auch auf den Seychellen Termitenhügel vor. Sowieso hat die Pflanzenwelt für uns als Laien hier viel Ähnlichkeit mit Kuba. Bei unserer Führung vor zwei Jahren haben wir über Termiten zwar viele Infos bekommen, nicht aber, dass die Hügel einen Tunnel haben, der nach unten führt. Diesen bauen die Insekten, um sich darin fortbewegen zu können, ohne von Fressfeinden attackiert zu werden. „Auf diesem Weg schicken die Eltern ihre Kinder zur Schule“, hat unser humorvoller Guide behauptet. „Ja ja, da sind sie sicher.“

Termitenhügel

Nach weiterer interessanter Pflanzenkunde und dem Hinweis, dass es auf den Seychellen keinerlei giftige Tiere gibt, sind wir schließlich an dem Aussichtspunkt angekommen. Dieser war Belohnung genug für den schweißtreibenden Aufstieg.
Die ganze Tour ist absolut zu empfehlen und mit so einem Guide wie Hannes sowieso. 

Aussichtspunkt
Man beachte die Palmspinne links im Bild.

In unserem Mietwagen die nassen Socken ausziehen zu können war pure Erleichterung. Wie schön es ist, dank Auto unabhängig zu sein.
An der Küste entlangzufahren war sehr schön. Ein paar Buchten waren einfach nur atemberaubend; nur von der Anse Lazio waren wir etwas enttäuscht. Der Spot ist wunderschön, aber leider auch sehr überlaufen. Also haben wir direkt wieder kehrtgemacht und uns in unserer Unterkunft noch etwas ausgeruht.
Zuvor haben wir eine komplette Tafel Schokolade aus der Gefriertruhe eines kleinen Ladens verdrückt. Hier ist es sehr heiß und die Schokolade wäre ruck zuck geschmolzen, also hatten wir gar keine andere Wahl, als sie sofort zu vernichten.

mit dem Mietwagen von Bucht zu Bucht
Am frühen Abend haben wir uns dann aufgemacht, um noch ein paar Teile für unsere Hochzeit zu kaufen. Da mein Kleid leicht durchsichtig ist musste weiße Unterwäsche her. Leichter gedacht als gefunden. Die kleinen Geschäfte sind so vollgestopft, dass man sich durch Klamottenhaufen durchwühlen muss. Erst nach etwa 10 Läden bin ich fündig geworden. Dort habe ich mir außerdem weiß-pinke Hibiskus Ohrhänger gekauft und Dirk und ich haben Ringe für die Trauung ausgesucht.
An etwas Selbstgemachtes hatten wir gedacht, bis wir uns dann in Deutschland richtige Eheringe kaufen werden. Was wir im Kopf hatten, haben wir so aber leider nirgends gesehen. Jetzt haben wir uns zur Sicherheit erst mal Ringe aus Holz mit Blumen darauf gekauft. Vielleicht stoßen wir ja noch auf schönere, aber die Hochzeit ist immerhin schon in einer Woche und ich brauche noch Schuhe und eine Strandtasche. Dirk muss sich außerdem noch ein passendes Hemd besorgen.
Einfach ruhig Blut, dann klappt das schon. Wie gesagt, wir streben nicht nach Perfektion. Das macht doch nur Stress.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Du schreibst wirklich schön. Ich lese deinen Blog richtig gerne. Grüße, Sara

  2. Da kann ich Sara nur Recht geben!

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