Afrika > Seychellen > 24. Oktober 2018

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Mein Gott, wir sind im Paradies!
La Digue toppt alles hier. Was für eine traumhafte, Ruhe ausstrahlende Insel voller unbeschreiblich schöner Buchten!

Dirk und ich sind gestern schon gut was davon abgelaufen und waren dann heute mehrere Stunden wandern. Ich glaube, ich habe einen ganzen Liter Wasser rausgeschwitzt. Wie gut, dass die Besitzerin unserer tollen Unterkunft uns heute die Wäsche der letzten Woche gewaschen hat. Sie hat sie sogar aufgehängt und zusammengelegt; was für ein Service. Hier geht es sehr familiär zu.


Auf La Digue lässt es sich wunderbar spazieren. Nur eine Handvoll Autos passieren einen. Der Rest sind Fahrradfahrer. Und zwischendurch sammeln wir ungewollt immer mal ein paar Hunde ein. Sie liegen faul im Schatten, sehen uns kommen und laufen schwanzwedelnd mit. Selten habe ich erlebt, dass es Hunden so gutgeht wie hier, wenn man die Kettenhunde mal beiseitelässt. Nicht mal von denen sieht man viele. Entweder gibt es kaum welche oder sie befinden sich hinter den Häusern. Man kriegt jedenfalls nicht viel Leid mit.
Hunde laufen hier frei rum und scheinen alles zu haben, was sie brauchen. Im Dschungel können sie jagen, hier und da gibt es Süßwasserstellen, die sie zum Trinken und Abkühlen nutzen und am Strand lässt es sich herrlich mit sandiger Schnute ausruhen.
Das macht ein Tierfreundherz glücklich.

Leicht bekleidet haben wir bei unserer Wanderung von Bucht zu Bucht nach etwa 30 Minuten Fußweg den ersten Strand erreicht. Bei der Grand Anse verschlägt es einem schier den Atem. Was für eine leuchtend türkise Farbe; und die Granitfelsen erst!
Wer auf der Suche nach den Seychellen aus Reisekatalogen ist, wird sie hier finden.

Grand Anse


Ein paar Freudenseufzer später haben wir den nächsten Dschungelpfad zur Petit Anse genommen. Noch vor zwei Wochen hätten mich da keine 10 Pferde reingekriegt.
Würde man den Weg verlassen, der so eng ist, dass Pflanzen den Körper rechts, links und von oben streifen, wären die nächsten Palmspinnen nicht weit gewesen. Schon auf dem Hinweg entlang der Straße hatten wir über unseren Köpfen ganze Armeen von ihnen hängen. Verwunderlich, dass ihre Präsenz nach nur so kurzer Zeit für uns bereits zu einer Normalität geworden ist.

Barfuß über raschelnde Palmenblätter laufend haben wir das Rauschen der Wellen gehört. Nicht viele Menschen hatten sich dazu entschlossen, sich die Mühe zu machen, außer der Grand Anse auch noch weitere Buchten zu erkunden. Dabei lohnt sich dieser schweißtreibende Akt ohne Wegweiser und etlichen Sackgassen so.
Ohne meine lebende Landkarte Dirk wäre ich allerdings sonst wo gelandet. Immer läuft er voraus, um mögliche Spinnenweben abzufangen, die Gegend auszukundschaften und rechtzeitig parat zu sein, um mir die Hand zu geben, wenn ich über einen hohen Absatz muss.
Diesen Mann zu heiraten musste ich mir nicht zweimal überlegen.

An der hübschen Petit Anse angekommen, haben wir uns direkt weiter auf den nächsten Dschungelweg gemacht; denn diese Bucht hat keinen Schatten gespendet.



Petit Anse

Die wilde und abgeschiedene Anse Cocos, an der wir uns natürlich eine frische Kokosnuss als Mittagessen gegönnt haben, war unsere Endstation der Wanderung. Dort haben wir eine Zeit lang verweilt. Die Farbe des Wassers hat sich mit jedem Verschieben der wenigen Wolken verändert. Der Himmel war strahlend blau und der Wind hat unsere nasse Kleidung, die wir an einen großen angespülten Ast gehängt hatten, sanft getrocknet.


Anse Cocos

Auf dem Rückweg, der uns nach einigen Stunden laufen auf einmal viel kürzer vorgekommen ist, war ich mal wieder sehr stolz auf unsere Leistung. Immer wieder pushe ich mich mehr als es mir zu Beginn lieb ist. Und dann kommen dabei jedes Mal so belohnende Kulissen raus; was für eine atemberaubende Reise am Indischen Ozean.



Die Einheimischen, von denen ich leider nicht so viel mitkriege, wie es durch Couchsurfing möglich wäre, sind zu Touristen stets freundlich. Sie strahlen wahre Freude aus und grüßen immer höflich mit einem Lächeln.
Da man auf den Inseln am günstigsten dran ist, wenn man Take-away Stände nutzt, habe ich mir spät nachmittags eine Portion Reis geholt. Bis zu unserer Unterkunft waren es nur noch wenige Minuten, so dass Dirk schon mal für eine ersehnte Dusche vorausgelaufen ist.

Während ich auf mein Essen gewartet habe, das extra auf mich als Vegetarierin abgestimmt zubereitet wurde, habe ich mich mit der netten Seychelloise unterhalten. Ob sie auf La Digue geboren sei, habe ich sie gefragt. Denn auf Praslin hatte man uns gesagt, dass die meisten auf der Hauptinsel Mahé geboren werden und leben, weil die ärztliche Versorgung außerhalb nicht gut ist. Daraufhin hat sie mir eine bewegende Geschichte erzählt.

Zuerst hat sie mir erklärt, dass schwangere Frauen einen Monat vor ihrer Entbindung auf die Hauptinsel müssen. Erst ein paar Tage nach der Geburt geht es für Mama und Baby zurück nach Hause.
Wo Frauen denn einen Monat lang unterkommen, war meine nächste Frage. Da musste sie schmunzeln. Viele haben vor Ort Familie oder verbringen die Zeit im Krankenhaus. Schon einen Monat vorher auf Mahé zu sein ist wichtig, da es auf La Digue kein Krankenhaus gibt. Es hat zwar ein Ärztehaus, das man hier als Krankenhaus bezeichnet, darin gibt es aber keinen Operationssaal. In Notfällen könnte es also Stunden dauern, bis man in einem richtigen Krankenhaus angekommen ist.

In so eine Situation ist die Seychelloise gekommen. Ihr Sohn war eine Frühgeburt, so dass sie auf La Digue entbinden musste. Fatalerweise war nicht der Kopf des Babys vorne, sondern die Beine, was zu Komplikationen und großen Schmerzen geführt hat.
Als ihr Sohn endlich draußen war, hat sein Herz nicht geschlagen. Sofort wurde über die Lunge gepumpt, um einen künstlichen Herzschlag einzuleiten; zwei (!) Stunden lang. Bis der Helikopter an ihrem Haus eingetroffen und schließlich am Krankenhaus auf Mahé gelandet war, ist viel Zeit verlorengegangen; dort hat man ihr Baby dann notbehandelt.

Während sie von all den vielen Schläuchen erzählt hat, die sogar in den Kopf des Neugeborenen gelegt wurden, waren ihre Augen mit Tränen gefüllt.
Durch ein Wunder Gottes hat ihr Sohn überlebt. Und nach vier Tagen im Brutkasten konnte sie ihn dann auch endlich mit nach Hause nehmen. Heute ist er kerngesund; sogar etwas mockelig.
Mit meiner gerade fertiggewordenen Portion Reis in der Hand habe ich ihr über den Arm gestreichelt und für ihr weiteres Leben alles Gute gewünscht.

Die Seychellois lieben ihre Kinder. Und die großen Kinder passen auf die kleineren auf, wie ich es noch nirgendwo sonst auf der Welt so stark erlebt habe. Die Straßen sind gefährlich. Junge Kinder laufen grundsätzlich innen, außerhalb der Gefahrenzone. Ich weiß, dass das auch bei uns die Regel ist, aber hier wird wirklich ganz besonders darauf Acht gegeben. Vor allem auch von Seiten der älteren Kinder. Selbst wenn ein Fünfjähriger neben einem Vierjährigen läuft, passt der Ältere ganz selbstverständlich auf den Jüngeren auf.

Die seychellischen Männer sind zum Großteil spindeldürr. Die Frauen dagegen… naja… wie soll ich sagen? Gut genährt eben. :-) Sie sind Versorgerfrauen, die zu Hause am Herd stehen und abends die Kinder zu Bett bringen, habe ich gelesen. Wie es tatsächlich abläuft, bekomme ich nicht hautnah mit. Diese Reise ist nur Dirk und mir gewidmet. Die Möglichkeit, andere Kulturen so richtig kennenzulernen, werde ich ja irgendwann wieder in anderen Ländern haben.
Macht man sich ein wenig schlau, findet man raus, dass viele Kinder bei den Großeltern aufwachsen, weil die Frauen tagsüber zur Arbeit gehen. Dass ein verheirateter Mann neben seiner Ehefrau auch noch andere Techtelmechtel hat, ist anscheinend nicht ungewöhnlich. Was zur Folge hat, dass viele Frauen Kinder aus unterschiedlichen Ehen mitbringen.

So, jetzt muss ich mich aber für das Abendessen fertigmachen. Wie erholsam, wenn man nicht selbst kochen muss und das Restaurant genau neben der Unterkunft ist. Es gibt ein großes Buffet in Pavillons unter freiem Himmel bei Live-Gitarrenmusik.

 

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  1. Wie gerne hätte ich diese Kokosnuss! :-)

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