Afrika > Seychellen > 29. Oktober 2018

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Da sonntags vieles geschlossen hat, haben wir uns gestern am Strand unseres Hotels ausgeruht. Der ist ja direkt vor der Tür. Das haben wir zum ersten Mal gemacht, seit wir auf den Seychellen sind.
Einmal ist das Faulenzen am Strand für mich ok und sogar entspannend, aber jeden Tag wäre mir das zu öde; wobei sich Sonnen mit Liegestühlen und gelegentlicher Abkühlung im Pool deutlich besser aushalten lässt als verschwitzt im Sand zu liegen.


Heute war dann schließlich der Tag der Kleidabholung bei der Schneiderin. Da Dirk und ich beide auch noch Schuhe gebraucht haben und er zusätzlich ein Hemd, haben wir uns für diesen einen Tag noch mal einen Mietwagen besorgt. Der wurde direkt ans Hotel geliefert und wird dort auch morgen wieder abgeholt. Umgerechnet 45€, reserviert über die Rezeption.

Erstes Fahrtziel war definitiv die Schneiderin. Schon auf dem Weg dorthin war ich innerlich etwas unruhig. Ich weiß, wie das in einigen Ländern oftmals ist. Manchmal muss man mit bösen Überraschungen rechnen; bitte aber nicht einen Tag vor meiner Hochzeit.

unser Mietwagen
zurück bei der Schneiderin

Das Geschäft im Hinterhof hatte wie versprochen geöffnet. Das hat mich schon mal beruhigt. Als Loretta mir das weiße Kleid vor das Gesicht gehalten hat, musste ich jedoch schlucken. Fast wie ein Kinderkleid hat es gewirkt. Wo war denn auf einmal der ganze Rest abgeblieben?

Natürlich musste gut etwas weggeschnitten werden, da ich darin ja zuvor versunken war. Aber ob ich da jetzt noch reinpassen würde?
In der Umkleidekabine dann die eintretende Befürchtung. Ich habe den seitlichen Reißverschluss nicht zugekriegt. Loretta war, mein Wimmern vernehmend, sofort zur Stelle. Nur mit vier Händen und mehrmaligem Hauteinklemmen war es möglich, den Verschluss ganz nach oben zu ziehen.
Atmen ist überbewertet. Warum sollte ich beim Heiraten denn schon atmen müssen!?
Mit eingezogenem Brustkorb und leicht glasigen Augen habe ich an mir rumgezuppelt. Aber was ich auch versucht habe, es war zu eng. Also haben wir mich gemeinsam wieder befreit. Zum Ausziehen hat mich Loretta einen Moment allein gelassen.

„Jetzt nur keine Panik kriegen“, habe ich mir selbst eingeredet, „nicht die Nerven verlieren. Du selbst hast noch große Töne gespuckt, dass die Hochzeit nicht perfekt werden muss… Wie lang kann ein Mensch noch mal die Luft anhalten?“

Dabei war die Passform beim Abstecken doch so angenehm! Nicht zu eng, aber dennoch figurbetonend. Warum ist das Endergebnis denn nicht so geworden?

Loretta’s Notlösung war, dass ich doch einfach ohne BH heiraten soll. Jetzt habe ich so lang nach weißer Unterwäsche gesucht und dann soll ich den BH einfach weglassen? Ich war ratlos und überfordert. Ich wollte doch so gerne ein schön gepushtes Dekolleté.
Ob man da denn nun gar nichts mehr machen könne, habe ich sie gefragt. Auf der linken Seite ist der Reißverschluss. Da war kein Spielraum mehr. Diesen hatte sie ja extra komplett entfernt und wieder angebracht.
Rechts aber könne sie eventuell noch ein paar Zentimeter rausholen, hat sie grübelnd geantwortet und sich direkt ans Werk gemacht. Diese minimale Änderung hatte zumindest bewirkt, dass ich ohne BH gut atmen konnte.

Aber dann war da ja immer noch die Sache, dass das Kleid leicht durchsichtig ist. Auf den ersten Blick hat zwar nichts durchgeblitzt, das musste ich im Hotel dann aber doch noch etwas genauer unter die Lupe nehmen. In dem Moment bei der Schneiderin war dafür jedenfalls keine Zeit. Schuhe, Hemd und eine passende Tasche mussten schließlich auch noch her.

Man mag sich vielleicht fragen, warum wir all diese Erledigungen so weit nach hinten verschoben haben; auf den letzten Drücker. Aber das haben wir nicht. Wir haben die Inseln Praslin und La Digue ebenfalls abgesucht, bis auf die Ringe und die weiße Unterwäsche aber absolut nichts gefunden, das auch nur annähernd hochzeitstauglich gewesen wäre.

Eden Island

Also wieder ab nach Eden Island, wo wir beim letzten Mal am ehesten fündig geworden sind. Schuhe waren ruck zuck gekauft. Weiß-silberne Sandalen für mich und etwas schickere offene Schuhe für Dirk.

Das Hemd für ihn war auch kein großer Act. Weißer Stoff, passend zu seiner marineblauen Leinenhose. Eben alles geeignet für den Strand. Und ganz wichtig: Bequem.


Sogar mein Kleid war es bei der zweiten Anprobe im Hotelzimmer ohne Schnappatmung. Ohne BH zwar, aber bei längerem Nachdenken ist das an sich gar nicht tragisch, denn bei dem Kleid hat man sich etwas gedacht. Vorne ist ein Muster angebracht, durch das es sich nicht erahnen lässt, ob man nun etwas darunter trägt oder nicht.
Vielleicht war es die ganze Aufregung am Morgen gar nicht wert.

Was uns allerdings seit ein paar Tagen Sorgen bereitet ist die Wettervorhersage. Eine Woche lang soll es nur noch regnen und gewittern. Gestern waren wir umso überraschter, als nachmittags dann doch noch bis zum Abend die Sonne rausgekommen ist. Und heute war der Himmel auch zum Großteil wolkenfrei.
Die Wettervorhersage stimme hier nicht, hat man uns gesagt. Dann können wir ja jetzt nur noch hoffen, dass sie das für morgen auch nicht tut. Denn wenn doch, heiraten wir bei Schauer, Blitz und Donner.
 

Takamaka Rum Brennerei
Um uns darüber nicht den ganzen restlichen Tag Gedanken zu machen, haben wir eine Führung bei dem seychellischen Rumhersteller Takamaka gemacht. Dass ich bei der Verkostung wie meistens die Einzige war, die das Probieren abgelehnt hat, war für den Manager ein Unding. „Du kommst in mein Haus und dann trinkst du nichts?“ :-)


Zuckerrohr

Takamaka Rum gibt es erst seit 2002. In einem kleinen Garten wird zum Destillieren Zuckerrohr angepflanzt. Heimisch ist der Zuckerrohr allerdings nicht, so dass die Produktionsmenge von den Lieferungen der Bauern abhängt, die darauf spezialisiert sind. Toll ist, dass die Reste des verarbeiteten Zuckerrohrs wieder an diese zurückgehen, damit sie ihre Felder düngen können.



Den restlichen Abend haben Dirk und ich ruhig verbracht. Wir waren wohl beide in Gedanken an den morgigen Tag versunken. Nur noch einmal schlafen, dann sind wir Mann und Frau.

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