Afrika > Seychellen > 31. Oktober 2018

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Mein erster Tag mit neuem Nachnamen. Mal schauen, wie oft ich mich am Telefon noch falsch melden werde. Meine neue Unterschrift muss ich auch noch üben.

An unserem letzten Tag auf den Seychellen sitze ich gerade bei strömendem Regen auf dem Balkon. Die frische Luft tut gut und die Berge sind in Nebel eingehüllt. In den Baumkronen sitzen zwei turtelnde Vögel, die sich aneinander kuscheln und verhalten wie ein Liebespaar.


Unser Hochzeitstag gestern hat ganz entspannt gestartet. Da die Stylistin erst für 13:00 Uhr eingeplant war, konnten wir in Ruhe ausschlafen, duschen und gemütlich frühstücken. Ohne den bekannten Hochzeitsstress.

Um kurz vor eins hat dann unser Telefon auf dem Zimmer geklingelt. Was für ein toller Service, dass die Stylistin direkt zu uns ins Hotel gekommen ist.
Die zierliche Seychelloise Hélène hat pure Freude ausgestrahlt. Ihre Arbeit mache sie von Herzen und jede Braut sei anders, hat sie mir erzählt, während sie ganz detailgetreu meine Augen geschminkt hat.
Dirk hat derweil auf dem Balkon gewartet und Däumchen gedreht. Nach einer Stunde hat er dann mal einen Blick reingeworfen und sich innerlich gedacht: „Die sind ja noch nicht mal bei den Haaren.“

Wer hätte angenommen, dass Hélène fast drei Stunden lang beschäftigt sein würde. Dabei hatte ich noch betont, dass ich mir ein dezentes Make-up wünsche, um mich selbst noch wiedererkennen zu können. Sie aber war der Ansicht, man dürfe an seinem Hochzeitstag ruhig mal etwas anders aussehen als an jedem normalen Tag. Es sei ja schließlich ein ganz besonderer.
Da hatte sie wahrscheinlich recht, auch wenn ich mir das Anbringen von unechten Wimpern kein zweites Mal wünschen würde. Trotzdem war es etwas Außergewöhnliches und ich habe mich gefühlt wie eine Leinwand, mit Hélène als Künstlerin.

Während sie mir mit Präzision die Augenbrauen zurechtgezupft hat, ist sie mit dem Vorschlag gekommen, dass ich doch etwas essen solle. Ich hatte tatsächlich noch nichts zu Mittag gehabt. An Essen war gar nicht zu denken.
Dirk solle mir doch schnell was von gegenüber holen, hat sie daraufhin gemeint. Also ist er geschwind auf die andere Straßenseite gehuscht und hat mir eine Quiche gekauft.

Die junge 23-Jährige versteht etwas von ihrem Handwerk. Sie stylt nahezu täglich Bräute und weiß, was ihnen guttut. Während sie meine Haare sorgfältig zu Locken verarbeitet hat und ich einen Bissen nach dem anderen zu mir genommen habe, hat sie eingeworfen, dass wir Deutschen wirklich gerne Teigprodukte essen. Vor allem Brot. “Every day you eat bread“, hat sie schmunzelnd gesagt. Bei den Seychellois dagegen komme jeden Tag Reis auf den Tisch. “Eeevery day we eat rice.“

Wo wir gerade beim Thema Essen waren, wollte sie wissen, welche Früchte wir hier bereits probiert hätten, die es in Deutschland nicht gibt. Da ist mir direkt diese glibberige Frucht eingefallen, die wir kürzlich zum Frühstück hatten, deren Namen ich leider nicht kenne. Uhhh, ganz merkwürdige Konsistenz!
Ja, ja, das kenne Hélène, hat sie hinzugefügt. Sie habe in Europa mal Erdbeeren gegessen. Was für eine merkwürdige Konsistenz! :-)

Mit dem Rougepinsel in der Hand hat sie mich – um die Wangenknochen perfekt treffen zu können – mit einem breiten Grinsen aufgefordert: “Give me a smile!“
Beim Tupfen hat sie mir aufgezählt, was ihre besonderen Leibspeisen in der kreolischen Küche sind. Nämlich Fisch und Meeresfrüchte. Dass man diese vielerorts auf der Welt nicht vor der eigenen Haustür vorfindet, kann sie sich gar nicht vorstellen. Sie liebt ihr Heimatland und möchte für immer hier bleiben.
Trotzdem ist sie von Europa fasziniert. Die alten Gebäude in Spanien haben es ihr angetan. Und es gäbe bei uns so viel Unterhaltung; Freizeitparks zum Beispiel. Für so etwas ist auf den Seychellen kein Platz.

Ich habe gelesen, dass es auch hier immer voller und enger wird. Zunehmender Tourismus, immer mehr Autos; wie eben fast überall. Auch Hélène fällt das auf, aber es scheint sie eher zu freuen. “Busy is good“, hat sie daraufhin von sich gegeben. Man habe auf der Insel ja nichts zu tun und müsse sich beschäftigen.
Was wir denn in unserer Zeit hier so unternommen hätten, wollte sie wissen. Den höchsten Berg von Mahé hochzusteigen sei ihr persönlich noch nie in den Sinn gekommen; viel zu anstrengend. Dabei verpasst sie einen so wundervollen Ausblick.

Ich erinnere mich an unsere Zeit auf den Bahamas, wo sich eine betagte Einheimische, die außer ihrer eigenen Insel noch nie einen anderen Fleck auf diesem Planeten gesehen hatte, gar nicht über die Schönheit der Wasserfarbe dort bewusst war.
Wasser sei doch überall auf der Welt gleich, oder? Türkis und durchsichtig eben. Dass man bei uns in Deutschland den Boden nicht sehen kann und die Farbe alles andere als türkis ist, konnte sie nicht verstehen.
Auch Hélène ist damit ganz selbstverständlich großgeworden. Dass die meisten Seychellois nicht schwimmen können ist eigentlich unbegreiflich.

Nach gut 30 Minuten über der Zeit und dem bereits in der Lobby wartenden Chauffeur war ihr Werk vollbracht. Das war für mich ein sehr ungewohnter Anblick, aber das ist wohl normal.
Jetzt aber schnell ins Kleid reinschlüpfen und ab nach unten. Nanu, auf einmal war es total bequem, als hätte es nachts heimlich jemand weiter gemacht.

Dirk ist schon seit drei Stunden in den Startlöchern gestanden und war froh, als es endlich losgehen konnte.

In einem weißen BMW mit beigem Leder haben wir es uns gemütlich gemacht. Naja, zumindest war es das in den ersten paar Minuten. Bis dann die Serpentinenstraßen losgegangen sind. Aber zum Glück waren wir ja nur 20 Minuten unterwegs. Bei befürchtetem Regen und grauer Wolkendecke.
Nicht gerade die romantische Vorstellung einer Hochzeit auf den Seychellen. Doch kaum waren wir unserem Strand nähergekommen haben sich erste Sonnenstrahlen gezeigt; hier hatte sie sich also versteckt.

Vor Ort hatte man schon auf uns gewartet. Maritta, mit der wir schon die ganze Zeit über so einen tollen Kontakt hatten, war für das Schießen der Fotos zuständig. Mit von der Partie war ein Videograf, der aus unseren Momenten einen Film zusammenstellen wird; außerdem unsere Trauzeuginnen Marie und Elise, und nicht zu vergessen Christophe, der uns getraut hat.

Das durch die Wolkendecke brechende Sonnenlicht hat genau auf den liebevoll hergerichteten Bambus Hochzeitspavillon geleuchtet.
Nachdem man mir meinen Blumenstrauß überreicht hat, wurde Dirk ein dazu passender Anstecker am Hemd befestigt. Zur Erfrischung gab es kalte Getränke.

Nach einem sehr kurzen gegenseitigen Bekanntmachen ist es auch schon losgegangen. Christophe hat uns gebeten, Platz zu nehmen und angefangen seinen Text zu sprechen, während hinter uns das Rauschen des Meeres zu hören war.
Für das Eheversprechen sind Dirk und ich aufgestanden, haben uns an den Händen gehalten und einander angeschaut, während jeder von uns Christophe’s Worte wiederholt hat.
Wie man es aus englischen Liebesfilmen kennt ist auf seine Frage hin, ob ich Dirk als meinen rechtmäßigen Ehemann annehmen will, von mir ohne jeglichen Zweifel “I do.“ gefolgt.

Unsere Holzringe wurden uns in einer Muschel-Schatulle überreicht. Beim Ringtausch haben wir einander auf Deutsch noch etwas Persönliches gesagt. Und natürlich durfte der Bräutigam die Braut dann küssen. In offenen Schuhen im weichen Sand.

Mit der unterschriebenen Heiratsurkunde war es dann offiziell.
Gefolgt von einer zweistöckigen Hochzeitstorte, die wir ganz klassisch gemeinsam angeschnitten haben, gab es anschließend Champagner, an dem ich ausnahmsweise auch mal genippt habe.

Und dann ist es zu einem weiteren wichtigen, aber auch überraschend anstrengenden Teil gekommen; dem Festhalten dieses einzigartigen Tages.
Als Brautpaar mit Foto- und Videografen und dekoriertem Strandabschnitt haben wir zwei einiges an Aufmerksamkeit erregt. Obwohl wir an unserem Plätzchen erst ganz allein waren, sind von Zeit zu Zeit dann doch vereinzelt Zuschauer dazugekommen; ganz und gar nicht aufdringlich. Sie haben das Geschehen aus etwas Entfernung betrachtet, ebenfalls Bilder geschossen und sich offensichtlich daran erfreut, eine Hochzeit auf den Seychellen miterleben zu können.

Auf das Fotografieren hatte ich mich sehr gefreut. Wie schweißtreibend das jedoch sein würde, war mir nicht bewusst. Hut ab vor all den Models da draußen, die man als Fernsehzuschauer gerne belächelt.
Die Posen waren für uns etwas befremdlich. Es war jedoch gut, dass wir Vorgaben bekommen haben. Sonst wären wir eventuell nach den ersten paar Schüssen etwas verloren gewesen. Zum Glück waren wir am Wasser, denn nach kurzer Zeit waren Dirk und ich mal wieder von oben bis unten nassgeschwitzt. Die Wellen haben unsere sandigen Beine aber immer wieder abgekühlt.

Nachdem alles im Kasten war, haben wir uns wieder verabschiedet und den Tag gemütlich ausklingen lassen. Und als wir dann am Abend so in unserem Bett gelegen sind und Musik gehört haben, sind mir die Tränen runtergelaufen.




Am heutigen Morgen hat er mich mit meinen noch schläfrigen Augen mit meinem neuen Nachnamen begrüßt.
Anschließend haben wir unser Frühstück zu uns genommen, Ordnung in den Backpacker Rucksäcken gemacht und während des anschließenden Zimmerservices, bei dem auf unserem Bett Blumen verteilt wurden, auf dem Balkon das Meer angeschaut.

Wie eine kleine Ewigkeit kommt es mir vor, dass wir vor drei Wochen hier angekommen sind und von diesem Land noch so gar keinen blassen Schimmer hatten. Jetzt ist das anders. Für immer in Erinnerung bleiben werden mir diese wundervollen Inseln.

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